Reichenbacher Hamuel GmbH - Qualität, die „sitzt“

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    Reichenbacher Hamuel GmbH
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(v.li.) Robert Maier, Ludwig Kindsmüller, Thomas Diewald

Zu Besuch bei Massivholzmanufaktur Richard Weissacher

Wenn man für ein Hotel oder eine Brauerei nach Sitzmöbeln sucht, die nicht nur gut aussehen, sondern vor allem auch belastbar sind, kommt man an der Massivholzmanufaktur Richard Weissacher in Essenbach bei Landshut kaum vorbei. Der Betrieb verfügt seit 1999 über ein CNCBearbeitungszentrum von Reichenbacher.

Möbel von Weissacher sind hochwertig: Das wissen auch die Schreiner in Bayern, Baden-Württemberg und dem angrenzenden Ausland. Denn die sind genau wie ihre Kunden an handwerklicher Maßarbeit interessiert. Natürlich hat diese Qualität ihren Preis, aber Betriebsleiter Thomas Diewald sieht genau hierin das Erfolgsgeheimnis: „Trotz der fast schon erdrückenden Macht der Billigproduzenten haben wir mit unseren Stühlen, Tischen und Bänken mit Qualität und Individualität eine Nische im höherpreisigen Segment geschaffen.

“Über 80 Jahre Erfahrung kann das 1935 als Bau- und Möbelschreinerei gegründete Unternehmen mit seinen rund 25 Mitarbeitern aufweisen. Es ist noch heute in Familienbesitz. Man ist vor allem stolz darauf, dass alles aus einer Hand kommt: Vom Holzeinkauf über die Trocknung, die Lagerung, die allein rund 35 Prozent der 12 700 m² großen Firmenfläche beansprucht, den Zuschnitt, die CNC-Bearbeitung, den Zusammenbau per Handarbeit bis zur Oberflächenbehandlung und Auslieferung reicht die Bandbreite. „Fast 85 Prozent unserer Kunden sind Schreiner, die auch die Vielfalt unserer Hölzer schätzen“, sagt Diewald.

„Insgesamt sind es 23 Holzvarianten, von A wie Ahorn bis Z wie Zirbelkiefer.“ Die Unterschiede, die der natürliche Werkstoff mit sich bringt, machen auch die Bearbeitung nicht einfach, erklärt Werkstattleiter Robert Maier. Weil außerdem in der Umgebung ein großer Autobauer viele Mitarbeiter anzieht, macht sich im Betrieb auch der Fachkräftemangel im Handwerk stark bemerkbar. Um dem entgegenzuwirken, verlagert man viele Aufgaben, die früher Holzfachleute ausgeführt haben, auf Maschinen.

Möbel in Einzelanfertigung

Bei Weissacher kam so schon vor 20 Jahren ein CNC-Bearbeitungszentrum zum Einsatz, mit dem dank der 5-AchsTechnik auch komplexe und individuelle Holzbauteile wirtschaftlich gefertigt werden können. „Wir produzieren ab Losgröße eins und alle Möbelstücke werden in Einzelanfertigung hergestellt. Allein 14 von insgesamt 18 Personen beschäftigen sich in der Produktion ausschließlich mit der Herstellung von Stühlen“, erläutert Maier. Diese Spezialisierung schlägt sich in einem sehr umfangreichen Stuhlprogramm für den Wohn- und Essbereich nieder. Es stehen allein 130 Modelle in verschiedenen Ausführungen zur Auswahl. Auch Tische sind bei Weissacher nicht alle gleich. Plattenstärken variieren, sie haben sichtbare Gratleisten, innenliegende Gratleisten, Hirnleisten, flachbündige Metallgratleisten, gebrochene Eckenrundungen, konische, mit schräggestellten oder geraden Füßen beziehungsweise von oben sichtbar verkeilten Tischfüßen, dazu verschiedenste Tischauszüge – es gibt kaum Grenzen.

Diese Individualität der Möbel wirtschaftlich umzusetzen, ist eine Herausforderung. Das CNC-Bearbeitungszentrum von Reichenbacher hat seit 1999 Anteil daran. Damals wurde ein „Vision-I-Sprint“ in Betrieb genommen. Man legte dabei großen Wert auf eine stabile Maschine, die für die Massivholzbearbeitung ausgelegt war. Diese Entscheidung hat sich bewährt, denn sie läuft 20 Jahre später immer noch ausfallsicher und liefert wiederholgenaue Bearbeitungsergebnisse.

Doch im Laufe der Zeit wurde die Ersatzteilbeschaffung nicht leichter, zudem war die Anlage komplett ausgelastet. Aus diesem Grund kaufte man 2018 eine „Artis-X4-5-Achs“ dazu. Dieser Schritt erlaubte es, die ältere Anlage komplett nachzurüsten, sodass diese nun auch wieder auf dem aktuellen Stand der Technik ist. 70 Prozent der Bauteile werden bei Weissacher inzwischen auf den beiden Anlagen gefertigt, Voraussetzung dafür ist, dass Mitarbeiter gezielt an die CNC-Technologie herangeführt werden. Aufgrund der Technikaffinität vor allem junger Menschen funktioniert dies recht gut.

Technik gezielt einsetzen

Technik gezielt einsetzen Hinzu kommt, dass die Maschinen gut im Produktionsablauf implementiert sein müssen. Dass das gelingt, ist Aufgabe von Robert Maier, der als Werkstattleiter auch für die CNC-Programmierung verantwortlich ist. Was früher mit Hand gemacht wurde, wird heute über ein CAD-CAM-Programm gezeichnet und programmiert, inklusive aller Winkel, Maße und sonstiger Eckdaten.

Da ist es von Vorteil, dass er die Maschinen von der Pike auf kennt. Die besondere Herausforderung beschreibt Maier so: „Wir brauchen fast für jedes Teil eine Schablone. Beide Maschinen können fräsen, sägen, bohren und trotzdem sind hinsichtlich der Leistungsfähigkeit Unterschiede zu beachten. So hat die ‚Vision‘ einen Konsolentisch, auf dem man einfacher spannen kann, die ‚Artis‘ dagegen eine höhere Z-Achse, was für bestimmte Bauteilgrößen geeigneter ist.“ So muss er sich in der Arbeitsvorbereitung gut überlegen, auf welcher Maschine welche Bauteile gefertigt werden sollen, oder ob Schablonen angepasst werden müssen.

Wechselbeschickung dagegen ist kein Thema, da man bei Weissacher keine Serienfertigung macht. Von größeren Serien ist hier schon die Rede, wenn man 40 bis 50 Stühle für Brauereien oder Restaurants, oder bis zu 400 Bänke oder Tische für Hotels fertigt. Die Verlagerung der Arbeitsvorgänge auf Maschinen ist nach Einschätzung der Fachleute von Weissacher nicht mehr aufzuhalten. Handarbeit gibt es bei ihnen nur noch bei der Nacharbeit, beziehungsweise beim Zusammenbau der Stühle und Tische. Dort findet auch die Endkontrolle durch die geschulten Augen der Holzfachleute statt, bevor die Möbel dann noch in die Lackiererei kommen und auf ihre Auslieferung warten.

Christina Wegner

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