Innovationsgeist als Erfolgsfaktor
Lassen sich Unternehmergeist und der Mut, immer wieder Außergewöhnliches zu realisieren, auf Nachfolger übertragen? Die Antwort lautet ja: Die Firma Treppenbau.ch aus Ganterschwil in der Schweiz zeigt, wie der Innovationsgeist nahtlos weitergelebt wird.
Auch der stellvertretende Produktionsleiter Dominik Kern verkörpert diese Haltung, und mit dem gesamten Team werden in der Treppengestaltung immer wieder die Grenzen des Machbaren verschoben. Das wurde 2024 beim Prix Lignum – einem renommierten Schweizer Holzbaupreis - mit einer Auszeichnung für die elliptische Designtreppe im Haus des Holzes in Sursee gewürdigt.
Seit der Gründung 1978 hat sich das Unternehmen vor allem in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich auf die Herstellung außergewöhnlicher Treppen mit komplexen Geometrien spezialisiert. Frühzeitig setzte man auf fortschrittliche CNC-Technik und wagte sich an anspruchsvolle Konstruktionen wie kreisförmige oder elliptische Treppen, bei denen andere zögerten. Dabei verarbeiten die Treppenbauer verschiedenste Hölzer wie Ahorn, Buche, Eiche, Esche, Nussbaum oder Lärche sowie Materialien wie Metall, Glas oder Stein. Das Ergebnis sind verschiedenste Treppenvarianten wie Faltwerktreppen, aufgesattelte, auskragende und freitragende Treppen, Design-, Spindel-, Modul- oder Wangentreppen – mit und ohne Treppenuntersicht. Jede Treppe ist ein Unikat. Die Geschäftsführer Daniel Kern und Adrian Scherrer sind sich einig: „Das setzt eine unerschütterliche Leidenschaft, Kreativität und auch Risikobereitschaft voraus.“
Seit 2009 bildet der Einsatz einer komplexen CNC-Anlage von Reichenbacher Hamuel einen Grundpfeiler dieser Kreativität. Aber die Maschinentechnologie entwickelte sich in fünfzehn Jahren weiter; hinzu kam die begrenzte Produktionskapazität, die die Auftragsannahme zusätzlich einschränkte, wenn sie beispielsweise für Großaufträge gebunden war. Daher entschied sich die Geschäftsleitung, in eine zusätzliche moderne Treppenanlage zu investieren. „Die CNC war immer unser Nadelöhr. Mit zwei Maschinen realisieren wir heute mehr Aufträge, gestalten den Ablauf flexibler und erhöhen die Produktionssicherheit, da wir parallel arbeiten“, erklärt Dominik Kern. Die erste Anlage war zuverlässig, und auch die Maschinisten bevorzugten die bekannte Technik des deutschen Sonderanlagenherstellers Reichenbacher Hamuel. Das gab den Ausschlag, und Ende 2024 wurde die neue VISION-ST 5-Achs mit manuellem Trägertisch geliefert.
Gebietsverkaufsleiter Serhat Kabatas hebt aus fertigungstechnischer Sicht die Vorteile dieser Baureihe hervor: „Treppenbau.ch suchte eine kompakte, leistungsfähige CNC-Lösung für flexible Einzelteilfertigung im Treppenbau. Die VISION-ST mit ihrer speziellen Spanntechnik bietet industrielle Präzision. Die 5-Achs-Technologie und der Tisch mit 16 individuell positionierbaren Grundkörpern, schlauchlosen Vakuumspannern sowie Pfosten- und Stufenspannvorrichtungen ermöglicht die Bearbeitung sehr komplexer Geometrien und verschiedenster Bauteile wie Wangen oder gewendelten Stufen – in einem einzigen Spannvorgang ohne Umrüsten. Das steigert die Genauigkeit und die Effizienz. Mit Verfahrwegen von 6.200 x 1.400 mm können dabei auch lange und gebogene Bauteile wie Wangen, Stufen, Pfosten oder Handläufe präzise bearbeitet werden. Und die zwei zusätzliche Fräsmotoren verkürzen durch parallele Prozesse die Taktzeit.“
„Wir haben uns für diese flexible Maschinenlösung entschieden, da sie optimal auf unsere Anforderungen im variantenreichen Treppenbau abgestimmt ist“, sagt Dominik Kern und ergänzt: „Die zwei Zusatzspindeln minimieren Wechselzeiten und entlasten das 5-Achs-Aggregat, wodurch Verschleiß reduziert wird. Eine technische Besonderheit ist die LED-Positionierung: Statt eines automatischen Trägertisches setzen wir auf manuelle Verschiebung per LED, was das Einmessen mit dem Laser überflüssig macht. Nach Eingabe einer Trittkombination passen sich die LEDs automatisch an. Zudem haben wir vier zusätzliche Pins im Tisch integriert, um die Trittplatten präzise auf dem Sauger zu positionieren.“
Mit den beiden CNC-Anlagen steigert das Unternehmen vor allem die Möglichkeit, komplexe Designs und Geometrien umzusetzen, die mit Handarbeit kaum realisierbar sind. Allerdings werden dafür immer mehr Fachkräfte benötigt, die sich mit der CNC-Technik auskennen. „Bei uns arbeiten von den 32 Mitarbeitern aktuell bis zu sieben Planer mit der Treppensoftware und drei, die mit einer Spezialsoftware ausschließlich krumme Formen programmieren“, verdeutlicht Dominik Kern. Nur Schleif- und Nacharbeiten erfolgen noch außerhalb der Anlagen. Durch die CNC-Fertigung erhöhte sich nicht nur der Durchsatz, auch die Oberflächenqualität wurde klar verbessert. Die Treppenspezialisten berücksichtigen in ihren Entwürfen möglichst jeden Kundenwunsch, solange Statik und Materialauswahl keine unüberwindbaren Hindernisse darstellen. Jährlich produziert das Unternehmen auf diese Weise rund 500 individuelle Treppen, die zu 80 % von Zimmereien, 15 % von Architekten und 5 % von Privatkunden in Auftrag gegeben werden.
Auch in Zukunft wird das Unternehmen weiter auf Digitalisierung und auf Nachhaltigkeit setzen. Neben einem verantwortungsvollen Umgang mit zertifizierten Hölzern und Rohstoffen unterstützt eine eigene Solaranlage sowie effizientes Abfall- und Heizungsmanagement diesen Weg. Das Vorantreiben der digitalen Entwicklung wird jedoch einen Wandel in der Belegschaft bedeuten ‒ weg vom reinen Holzhandwerker. Trotz dieser Veränderung wird die Leidenschaft bleiben, Treppen zu kreieren, die den physikalischen Grenzen trotzen und die Grenzen des Machbaren verschieben.
www.reichenbacher-hamuel.de
www.treppenbau.ch
Bildquellen/-rechte:
(1) ©Bildquelle PIRMIN JUNG Schweiz AG, Haus des Holzes, Sursee. Fotografie: Marco Leu
(2) ©Treppenbau.ch AG, CH-9608 Ganterschwil
(3) ©Treppenbau.ch AG, CH-9608 Ganterschwil, Design: thomas sutter ag
(3-6) Reichenbacher Hamuel GmbH
Anwenderreportage
Medien: Fachmagazin HOB 9+10
Autorenhinweis: Christina Wegner, Freie Fachjournalistin (DFJV)