Anspruchsvolle Formen fertigen
Dass solch ausgefeilte CNC-Technik notwendig ist, belegt ein Projekt in einem Verwaltungsgebäude der SBB: Im Zentrum einer Kreisbogentreppe befindet sich hier ein tragen- der Betonkörper, der per Tachymeter millimetergenau vermessen worden war, um eine filigrane Holztreppe einzubauen. Prägende Details sind unter anderem 21 verschiedene Brüstungswangenelemente, die im Sandwichverfahren zu Rohlingen verleimt und auf der CNC-Anlage ausgefräst wurden.
Die größte Herausforderung war die Unteransicht. „Mit doppelt gekrümmten massiven Negativ-und Positivformen wurden kleine propellerförmige verleimte Eichenplatten furniert, die dann auf der CNC-Anlage zugeschnitten und per Nut-Feder-Prinzip an der Treppenunteransicht angebracht wurden – Aha-Effekt garantiert“, sagt Geschäftsführer Kern sichtlich stolz. Er verweist darauf, dass die CNC-Anlage zu 80 Prozent für die Treppenherstellung genutzt wird: neben standardisierten Elementen eben auch für außergewöhnliche Treppendesigns.
Zu 20 Prozent werden Dienstleistungsaufgaben ausgeführt, etwa die Herstellung von komplexen Holzkonstruktionen oder Freiformen wie Tischelementen, Möbeln, Betonverschalungen, Rundsäulen und -bögen, Wänden und Trichterschalungen. Einen Großauftrag bescherte kürzlich ein Zimmerer, der für den Flughafen Oslo große Platten benötigte. Scherrer, der alles selbst programmiert, hebt hervor, dass nichts mehr wie früher vorher zusammengebaut wird. Vielmehr werden die Teile gefräst, verpackt und auf der Baustelle eingebaut – da muss alles exakt passen. Die Bearbeitung auf der Reichenbacher-Anlage garantiert das.
„Flexibilität in der Arbeitsvorbereitung ist das A und O, denn die Produktion muss reagieren, wenn eine schnelle Lieferung von Bauteilen gefordert ist. Da manche Vorgänge wie das Bohren von Platten bis zu fünf Stunden dauern können, muss der Ablauf zwischen Maschinenbediener, Programmierer und Produktionsleitung exakt abgestimmt sein“, präzisiert Scherrer das Thema Programmierung. Bearbeitet werden auf der CNC außer Holz auch Corian, Acryl und HPL. Derzeit liegt mit 80 Prozent Eiche im Trend, aber es werden auch immer wieder andere Hölzer zerspant.